(Un)Erhörtes, Erlesenes, Erdachtes mit Genusspotential wird hier eingetopft, alles natürlich streng subjektiv!


Liebe zeigen

Er sagt seinem Schatzerl
grundsätzlich nie,
dass er es liebt.
Er beweist’s der Erwählten
täglich durch:

Frühstückmachen,
Geschirrspülerausräumen,
Staubsaugen,
Rasenmähen,
Einkaufengehen,
Autowaschen.

Flüstert er ihr, versehentlich fast,
dennoch einmal ein »Ich liebe dich« zu,
schimpft sie ihn einen faulen Hund,
der nur gute Stimmung machen wolle,
ohne dafür zu hackeln.

© Josef Maria Hader

 

Gedichtkritik: "Romantik im Alltag einer langandauernden Beziehung? Mit diesem Thema setzt sich Josef Maria Hader in "Liebe zeigen" knapp, souverän und nah an so manchen Paares Realität auseinander. Köstlich!" (Jan-Eike Hornauer)

 

Zeugungsgebrechen

Große Ideen

der einen,
gepaart
mit großen Ideen
der anderen,
zeugen
Tatenlosigkeit.


© Josef Maria Hader

 

Ein Bild von dir

 

Ins Atelier am Sternenhimmel

stelle ich die Staffelei und

zieh die Nacht als Leinwand auf.

 

Dort zeichne ich ein Bild von dir,

der Sichelmond ist meine Kreide,

mit Sternenstaub mal ich dein Haar.

 

Jetzt blick ich jede Nacht nach oben

sehnsuchtsvoll auf dein Porträt,

dem schönsten aller Sternenbilder.

 

© Josef Maria Hader

 

 

Zuerst himmelhoch jauchzend, gleich darauf zu Tode betrübt aufgrund einer Kleinigkeit - wer kennt das nicht? Das ist auch Thema des folgenden Gedichtes aus „Rolle du Knolle“:

 

Himmlischer Atem

 
Weiße Wölkchen, Sonnenschein,

Lebenslust ist heute mein.

 

Schwinge fröhlich den Pompon,

nehme roten Luftballon

 

und mich überkommt die Lust,

blas ihn auf aus voller Brust.

 

Werf ihn hoch mit einem Schmatz,

steigt ins Weiße, bis er platzt.

 

Prompt vernehm ich Wölkchens Fluch:

Pfui Teufel, dieser Mundgeruch!

 

© Josef Maria Hader

 

 

Das tote Grab

 

Brache liegt, wo Garten war,

der Tod von unten greift nach oben.

 

Keine rote Kerze flimmert

verbrauchte Erinnerung.

 

© Josef Maria Hader

 

 

Das Idol

 

Die Blumen kreischen

im Floristikladen,

als eine Biene

sich darin verirrt.

 

© Josef Maria Hader

 

 

„Hochmut kommt vor dem Fall“ - hier am Beispiel einer Kaisersemmel (aus „Rolle du Knolle"):

 

Die Kaisersemmel

 

Es trägt mich auf dem Goldtablett

der Diener an des Kaisers Bett.

 

Und neben mir liegt Wurst von Extra,

ein Stückerl kriegt sein Hund, der Rex da.

 

Gewöhnlich klemmt er in den Weichteil

der Kaisersemmel einen Wurstkeil.

 

Doch heut ist Kaiser gar nicht fit,

verzichtet auf den Kaiserschnitt.

 

Was fehlt ihm denn, dem alten Schnösel?

Ich fürcht, ich end als Semmelbrösel.

 

© Josef Maria Hader

 

"Die deutsche Sprache hat vier Fallgruben, manch andere hat noch mehr."

 

© Josef Maria Hader

 

Der Pfeffer in der Pfeffermühle warnt:

"Dass mir ja keiner an die Gurgel geht,

indem er oben an der Kurbel dreht."

 

© Josef Maria Hader

 

Der Fisch erforscht Aquarium,

er sieht darin die heile Welt,

solange nicht der Strom ausfällt.

 

© Josef Maria Hader

 

Als Buchstaben

durch Buchschaben

im Buch starben

gabs Buchschaden

 

© Josef Maria Hader